GRUNDLEGENDES ÜBER DIE STADTTAUBE

Grundsätzlich wird zwischen fünf Arten von Tauben unterschieden:

Entgegen der häufigen Annahme, Stadttauben seien Wildtiere, stammen diese nachweislich von der Brieftaube ab. Die Brieftaube wurde über Jahrtausende vom Menschen gezähmt und domestiziert und somit auch genetisch verändert. Die heutige Stadttaube ist somit ein Haustier, so wie Hunde und Katzen.

In unseren Breitengraden kommen streunende Hunde und Katzen glücklicherweise kaum vor. Für viele wäre dies auch undenkbar und eine geschwächte und futtersuchende Katze erregt für gewöhnlich sofort unser Mitleid. Bei Tauben ist dies jedoch nicht der Fall. Warum? Grundsätzlich kann man sagen, dass wir Menschen ein sehr paradoxes Verhältnis zu Tieren haben. Die klassischen Haustiere werden von uns nach Strich und Faden verwöhnt, es gibt eine breite Palette an Futter in den Supermärkten, fachkundige TierärztInnen, Hotels und vieles mehr. Andere Tiere betrachten wir als reine Nutztiere und gestehen ihnen, wenn überhaupt, ein Mindestmaß an Tierwohl zu. Manche Tiere lösen Furcht in uns aus, wieder andere werden in Nützlinge und Schädlinge eingeteilt und manche betrachten wir als eklig und Störenfriede.

Foto von Klaus Heimlich

All das hängt mit den Zuschreibungen an jede einzelne Tierart und mit den daraus resultierenden Mythen zusammen. Tauben werden als Ratten der Lüfte, dreckig, störend, als Krankheitsüberträger und Verschmutzer der Fassaden angesehen. Während manche behaupten, sie würden nicht in das Bild einer sauberen Stadt passen, meinen andere wiederum, dass Tauben einfach in die Stadt gehören.

Was unterscheidet nun noch eine Haustaube bzw. Stadttaube von einer Wildttaube? Wildtauben sind extrem scheu und vermeiden die Nähe zum Menschen. Stadttauben hingegen sind nur bedingt scheu. Sie haben natürlich eine gewisse Scheu beibehalten, da viele Menschen nach wie vor gefährlich für sie sind. Sehr häufig kommt es vor, dass Stadttauben durch Fußtritte verletzt, gejagt und verscheucht werden. Gleichzeitig suchen sie aber die Nähe zum Menschen, da sie bei der Futtersuche auf ihn angewiesen sind (wir dürfen nicht vergessen: sie sind Haustiere) und wissen: dort, wo Menschen sind, gibt es auch Futter. Hierbei ist die Behauptung, dass Stadttauben bei der Futtersuche ohnehin zu umliegenden Feldern fliegen würden, falsch. Stadttauben sind, anders als Wildtauben, nicht in der Lage Felder anzufliegen, da sie weder den Feldflug gelernt haben noch wissen, wie man zu einem Feldkorn durchdringt.

Artgerechtes Futter für Tauben stellen ausschließlich Körner und Samen dar! An Hartkörnern benötigt eine Stadttaube täglich ca. 50 Gramm. Wichtig ist zudem ausreichend Trinkwasser. Durch das willkürliche Fütterungsverbot der Stadt Salzburg sind diese lebensnotwendigen Voraussetzungen nicht geschaffen. Mehr dazu in Mythen.

Foto von Klaus Heimlich

Während die Brutzeit von Wildtauben begrenzt ist, brüten Stadttauben durch die vom Menschen veränderte Genetik sehr oft. Dabei spielt weder die Jahreszeit noch das Angebot an Nahrung eine Rolle. Verstärkt wird dieses Brutverhalten noch, wenn Tauben wenig bzw. in unregelmäßigen Abständen Futter finden oder ein Teil der Taubenpopulation verschwindet (dies kann durch gezielte Tötung, durch Verhungern oder Tod durch Krankheit und Schwäche erfolgen). Die Tauben verfallen dabei in eine Art Stressbrüten, um ihre Population aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund ist zum Beispiel das als hochwirksam gepriesene Fütterungsverbot oder die Tötung eines Taubenbestandes völlig kontraproduktiv. Die Tauben brüten weiter und vermehren sich sogar doppelt so schnell. Die einzige erfolgsversprechende Lösung, die sowohl für die Tauben als auch für uns Menschen einen positiven Effekt hat, sind Taubenschläge sowie Taubenhäuser nach dem Augsburger Modell. Mehr zu diesem Modell hier.

Foto von Klaus Heimlich