Pressemitteilungen und Fotos

Augsburger Modell endlich in Salzburg angekommen

Lange hat es gedauert. Nach der Schließung der Taubenschläge am Salzburger Bahnhof 2012 ist genau das eingetreten, wovor die ARGE Stadttauben Salzburg gewarnt hatte: Die ausgesetzten Straßentauben haben sich in wild lebenden Kolonien unkontrolliert vermehrt.

Viele Jahre lang hat der Verein über das Augsburger Modell informiert, gewarnt und dessen Umsetzung gefordert – ohne politische Unterstützung. Dennoch waren die Verbesserungen für Straßentauben und Anrainer:innen spürbar.

Keine Partei hatte lange den Mut, das bewährte Augsburger Modell nach Rudolf Reichert umzusetzen. Nun, 14 Jahre und viel Lehrgeld später, ist klar: An diesem Konzept führt kein Weg vorbei. Das ist ein wichtiger Teilerfolg für den Verein, die Tiere und die Menschen in der Stadt.

Bis zu einem echten Gesamtkonzept bleibt aber viel zu tun. Die Hoffnung, ein bloßes Fütterungsverbot könne die Situation lösen, hat sich als falsch erwiesen. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Straßentauben auf eine geregelte menschliche Futterversorgung angewiesen sind. Im Sinne des Tierschutzes sollte die Stadt Salzburg das Fütterungsverbot dringend überdenken.

Hans Lutsch, Obmann ARGE Stadttauben Salzburg

Nachlässigkeit bei Taubenabwehr am Salzburger Bahnhof

Fehlende Wartung schafft Probleme
2012/13 wurden am Salzburger Bahnhof für viel Geld massive industrielle Taubenabwehrsysteme installiert. Diese liegen heute brach, funktionieren nur teilweise und erfüllen ihren Zweck nicht mehr. Straßentauben – wissenschaftlich als Nachkommen von Brief- und Zuchttauben identifiziert – holen sich die Plätze zurück und brüten dort.

Problem: Ohne laufende Wartungsverträge nutzen sich die Systeme ab. Die Annahme „einmal installiert = ewig haltbar“ führt zu neuen Nestern und Besetzungen.

ARGE Stadttauben Salzburg im Einsatz:
Der Verein führt ständiges Monitoring durch, dokumentiert Besetzungen und bietet Immobilienverwaltungen Eieraustausch sowie Beratung zu tierschutzrechtlichen Maßnahmen an. Immer parallel mit Liegenschaftssicherung und dem langfristigen Augsburger Modell nach Rudolf Reichert.

Aktuelle Situation: Kontakt mit ÖBB-Immobilien wegen Nester in der Bahnhofshalle (nach Haupteingang). Der Verein bietet regelmäßigen Eieraustausch an, benötigt aber Genehmigung und Leiter (Nester unerreichbar hoch). Die ÖBB plant ab 24.02.2026 Nestentfernung durch eine Firma – tierschutzrechtlich muss dies einwandfrei erfolgen.

Monitoring wird erweitert: Der Verein beobachtet weiterhin die Situation und hält sie tierschutzrechtlich unter Kontrolle.

Hans Lutsch, Obmann ARGE Stadttauben Salzburg
Grillparzerstrasse 4, 5020 Salzburg
Tel: +43 (0)664/236 01 30 | [email protected]

Bilder: ARGE Stadttauben Salzburg

2. Dezember 2025Kundgebung für eine vernünftige Straßentauben-Politik!

Mehr als 40 Bürger:innen folgten am Dienstag dem Aufruf der Vereine VGT, Respektiere und ARGE Stadttauben Salzburg, um die Stadtregierung zu Menschlichkeit und Vernunft aufzurufen. Das Thema verhungernde Tauben bewegt und verärgert zunehmend viele Menschen – ihre Proteste bleiben bislang ungehört.

Das städtische Veterinäramt erklärte zuletzt, es habe Kontrollen gegeben und keine hungernden Tauben festgestellt. Nachfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz ergaben jedoch, dass keine entsprechenden Daten existieren – weder zu unterernährten Tieren noch zu Straßentauben allgemein. Die angeblichen Kontrollen haben demnach wohl nicht stattgefunden.

Die Demonstrierenden machten mit Transparenten und Sprechchören auf ihre Anliegen aufmerksam, doch kein Vertreter der Stadtregierung suchte den Dialog. Dabei ist Ignoranz kein Zeichen eines verantwortungsvollen Umgangs mit berechtigten Sorgen der Bevölkerung. Tierärzt:innen und Expert:innen warnen, dass ein Fütterungsverbot Stress, Mangelernährung und letztlich den Hungertod vieler Tauben verursacht, besonders im Winter.

Die Forderungen an die Stadt: eine sofortige Notfütterung und langfristig kontrollierte Fütterungen nach dem Augsburger Modell. Da keinerlei Daten zur Wirkung des Fütterungsverbots vorliegen, sollten wissenschaftliche Einschätzungen ernst genommen werden.

Trotzdem blieben Fakten und Fachtierärzt:innen beim Runden Tisch unberücksichtigt – die Bevölkerung fühlt sich übergangen. Tierschutz sollte auch in der Mozartstadt Realität sein. Der Hunger ist real und verdient politisches Handeln. Selbst Festspielgäste äußerten bereits Kritik an den Zuständen für Straßentauben.

18. November 2025 – Stadtregierung in Salzburg schränkt in seinen Umsetzungsplänen das Augsburger Modell auf einen zusammengekürzten Rumpfgedanken ein!

Dennoch ist die Frage nach einer Grundversorgung für all die obdachlosen Straßentauben, Nachkommen von Brief- und Zuchttauben, nicht geklärt. Das Augsburger Modell vom Gründer Rudolf Reichert sieht hier „kontrollierte Futterplätze“ vor, um den Tierschutz im Gesamtkontext zu sichern. Hier bleibt die derzeitige Stadtregierung aber hart und hält weiter am „Fütterungsverbot“ fest. Was als verändertes Konzept, ohne tierschutzrelevante Aspekte des Augsburger Modells, zu verstehen ist.

Nach mehr als 30 Jahren ist es jetzt an der Zeit, diese Verordnung, die weder ein funktionierendes Konzept darstellt, noch in irgendeiner Weise die „Problematik“ entschärfen konnte, zu evaluieren und neu zu denken. Städte, die das „Augsburger Modell“ in seiner Gesamtheit umgesetzt haben, könnten hier lehrreiche Momente für Salzburg schaffen. Das kontrollierte Füttern der Straßentauben hat viele Vorteile.

Das (konsequente) „Fütterungsverbot“ ist nicht Teil vom „Augsburger Modell“, es ist der gescheiterte Versuch einer veralteten theoretischen Annahme. Und diese Annahme wird von der Stadt Salzburg weiterhin romantisiert, obwohl die Analyse dieser Verordnung nur negative Ergebnisse hervorgebracht hat. Es ist eine bequeme, aber unbrauchbare Illusion, ohne nachhaltige Wirkung.

Salzburg sollte sich von der Illusion verabschieden und zur Realität übergehen. Dann wird der Weg zur Lösung auch gelingen. Das Versprechen, das „Augsburger Modell“ nach Rudolf Reichert für Salzburg zu realisieren, beinhaltet auch die Grundversorgung der obdachlosen Straßentauben. Wir begrüßen die Umsetzung des einen Moduls mit den betreuten Taubenschlägen und erwarten die Verwirklichung der „Notfütterung“ der Straßentauben, und langfristig auch das Recht auf kontrollierte Futterplätze als weiteres Modul.

Deshalb demonstrieren wir, die Bürger:innen in Salzburg und Freund:innen, am 2.12.2025 ab 13 Uhr nahe dem Eingang zum Schloss Mirabell (regenbogenfarbener Zebrastreifen) für die Umsetzung des (versprochenen) „Augsburger Modells“ in seiner Gesamtheit und fordern umgehend die Einhaltung des Österreichischen Tierschutzgesetzes. Wir fordern sofortige kontrollierte Futterplätze für die Salzburger Straßentauben. Dies schützt sie vor dem Hungertod.

12. Oktober 2025: Ein Abend für die Salzburger Stadttauben

Am Sonntag, den 12. Oktober 2025 fand im Literaturhaus Salzburg eine Lese- und Musikveranstaltung für die Arbeit vom Verein ARGE Stadttauben Salzburg statt. Petra Nagenkögel vom Literaturverein Prolit begrüßte die Künstler:innen und fand in ihrer Einleitung treffende Worte zum Thema Straßentauben und deren Herkunft.

Hans Lutsch vom Verein ARGE Stadttauben Salzburg nahm in seiner Rede diesen Faden auf und zeichnete ein eindrucksvolles Bild der Straßentauben in der Geschichte ihrer Domestikation. Wie kam es zur Nutzgewinnung der Taube? Was waren/sind die Eigenschaften der Taube, deren sich der Mensch bedient hat und heute noch bedient? Der ausgezeichnete Orientierungssinn sei hier als einer der vielen Fähigkeiten der Taube erwähnt.

Hans Lutsch spannte in seinem Exkurs dann auch den Bogen hin zur Literatur. In frühen Schriften wurde die Taube bezüglich ihrer Attribute vielseitig erwähnt, gefeiert und gelobt. Sie wurde in Mesopotamien als Friedens- und Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar verehrt. In der Griechischen Mythologie wird erzählt, dass eine Taube ein Ei ausgebrütet hat, aus der die Göttin Aphrodite hervorging.

Weiters wurden die großen Religionen und deren zentrale Schriften (Bücher) erwähnt, in denen die Taube in ebenso vielen Erzählungen zum heiligen Vogel erklärt wird. Die Symbole reichen von der Geschichte der Sintflut, über die jüdisch religiöse Schrift, den Talmud, bis hin zum Koran. In der jüdischen Schriftensammlung wird die Taube als Symbol für die Gemeinschaft des jüdischen Volkes gesehen. Im Koran wird erzählt, dass ein Taubenschwarm Mohammed vor den Feinden gerettet hat.

Anschließend las Hans Lutsch Gedichte und Prosa, in denen diese Symboliken der Taube aufgegriffen werden und Thema sind. Diese Lesung beinhaltete Gedichte von Ingeborg Bachmann, R. M. Rilke, Stefan Zweig, u.v.a., weiters Auszüge aus der Novelle von Patrick Süsskind „Die Taube“. Hans Lutsch las auch eigene Gedichte, die ein dramatisches Leben der Straßentaube zeichneten.

Untermalt und begleitet wurde die Lesung von der Salzburger Band „All Souls Night“, die vor allem Lieder aus der irischen Kultur spielt. Die Stimmung im Publikum war aufmerksam und begeistert. Die Lesung konnte in ihrer von Hans Lutsch vorgenommenen Auswahl das Publikum in Spannung versetzen. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer:innen war bis zur letzten Minute für beide Beiträge, Lesung und Musik, gegeben. Der Applaus und die anschließenden Gespräche konnten diesen Eindruck nur bestätigen.

Das Thema Taube ist derzeit omnipräsent: es wird in der Stadtregierung der Stadt Salzburg behandelt, in den Medien darüber berichtet und auf der Straße und in Tierschutzvereinen besprochen. Es geht hier vor allem um die jahrelange Forderung vom Verein ARGE Stadttauben Salzburg, den Straßentauben ein würdiges Leben zu sichern und das Augsburger Modell in allen Facetten zu realisieren. Das Augsburger Modell besteht aus kontrollierten Futterplätzen in der Stadt und flächendeckenden Taubenschlägen/Taubenhäusern, die fachgerecht betreut und in denen die Eier zur Bestandskontrolle ausgetauscht werden. Vor allem finden die Tauben darin ein artgerechtes Zuhause.

Die Band „All Souls Night“ konnte an diesem Abend ihre stimmungsvolle Musik mit perfekter Darbietung unter Beweis stellen. Auch hier gab es begeisterte Zustimmung. Besucher:innen der Veranstaltung meinten sogar, dass dieser Abend wiederholt werden sollte. Wir vom Verein und die Bandmitglieder werden darüber sprechen und vielleicht weitere Veranstaltungstermine überlegen. Die Taube trägt schwer an ihrer Geschichte und der Tier- und Taubenschutz hat viel mit Kultur zu tun. Das hat dieser Abend gezeigt.

Die Band spielte für die Salzburger Straßentauben gratis. Die Einnahmen gehen an den Verein ARGE Stadttauben Salzburg.

Beobachtungen in der Salzburger Mozartstadt

Die Untätigkeit der Stadtverwaltung bezüglich Geburtenkontrolle bei Straßentauben, Columba livia forma domestica, führt zu Belastungen in den betroffenen Stadteilen. Häuser, Brücken, Balkone, Plätze, Balkone usw. werden von den herumirrenden Straßentauben (Nachkommen von Haus- und Brieftauben) als Notquartiere besetzt.

Diese Besetzung des urbanen Lebensraumes ist unfreiwillig und führt zu Konflikten. Geldausgaben in Taubenabwehrmaßnahmen werden laufend getätigt, sind aber nicht Ziel-führend. Auch der Entzug der Nahrungsgrundlagen, wie durch eine Verordnung beabsichtigt, verfehlt das Ziel. Die Straßentauben bleiben in ihrem biologischen Bedarf alleingelassen, was zu diesem Chaos führt.

Das Festhalten an einer nicht Ziel-führenden Maßnahme, die seit mehr als 30 Jahren in der Stadt Salzburg besteht, ist unverständlich. Behauptungen, wonach sich der Bestand der Straßentauben durch den Futterentzug reduzieren lässt, sind wissenschaftlich umstritten. Die Problematik konnte in keiner Stadt durch die Verordnung geregelt werden. Die Bestandszahlen sind weiter angestiegen.

Die kategorische Ablehnung des Augsburger Modells als nachhaltiges Regulativ zur Bestandskontrolle der Straßentauben-Populationen, bleibt, in Anbetracht der katastrophalen Auswirkungen für Tauben und Menschen, unverständlich. Deshalb lautet unsere Frage: Warum lässt die Salzburger Stadtverwaltung weiterhin die unkontrollierte Vermehrung von Straßentauben zu?

ARGE Stadttauben Salzburg

Impressionen